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Thema: Kreta 1996 - Mit Kind und ohne Kegel

  1. #1
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    Standard Kreta 1996 - Mit Kind und ohne Kegel

    Hallo,
    hier gibt es wieder einen neuen Bericht (natürlich in Fortsetzungen):

    Kreta 1996
    Dieses Mal ging es mit „großer Gesellschaft“ nach Kreta: Unsere liebste Freundin Lilly mit ihrem Mann (damals noch Freund) Josef und „insgesamt“ drei Töchtern (Laura – von Lilly und Rebecca und Linda – von Josef). Lilly war auch schon recht griechenlanderfahren, der Rest der Patchworkfamilie weniger. Und natürlich wir vier.
    Unser Flugtermin lag mit Verlaub gesagt recht ungünstig, denn wir landeten nachts um 2 Uhr in Iraklion. Wohl dem, der über gute Beziehungen verfügt, denn Jorgos von CityCar versprach mir schon vorher am Telefon, dass er natürlich auch um diese Zeit mit zwei Autos auf uns warten würde. Außer den Wagen hatten wir auch die Quartiere bereits telefonisch vorbestellt, das war uns wegen der Kinder einfach sicherer.

    Die Abfertigung in Iraklion war schnell und Jorgos stand tatsächlich strahlend am Ausgang und führte uns zu den Autos: Zwei kleine Susuki Swift, ich bekam sogar einen „Sedan“ mit angeflanschtem Kofferraum, der auch unwesentlich mehr PS unter der Haube hatte. Wir wickelten auf dem Parkplatz die Formalitäten ab und machten uns dann so gegen drei Uhr in der Frühe im Stockdunklen zu unserem ersten Ziel auf: Zarós am Südhang des Ida-Gebirges. Wir waren dort alle noch nicht gewesen, aber von der dort vorhandenen Forellenzucht hatten wir schon gehört. Damals gab es nur ein einziges Hotel im oder besser beim Dorf, das außer Zimmern auch Appartements auf der großen Wiese hinter dem Haus vermietete. Außerdem gab es einen Swimmingpool und einen Tennisplatz. Wir waren gespannt und hatten wie gesagt einen guten Preis für unsere erste Urlaubswoche vorab telefonisch ausgehandelt.

    Die Fahrt auf der schon damals recht gut ausgebauten Straße bis Agía Varvára verlief problemlos. Nachdem wir aber dort Richtung Zarós rechts abgebogen waren, wurde die Straße sehr eng, kurvenreich und natürlich unbeleuchtet. Unser Reisetempo nahm merklich ab, denn auch ich fuhr diese Strecke zum allerersten Mal. Außerdem hatten wir ja alle Zeit der Welt, da wir vor sieben oder acht Uhr niemanden im Hotel anzutreffen erwarteten.

    In Zarós angekommen, bogen wir natürlich zuerst einmal falsch ab, weil wir das (umgefallene) Hinweisschild erst später entdeckten, fanden dann aber dann doch den Weg zum Idi-Hotel, welches übrigens neben der Zufahrtsstraße zum „Limni“, dem künstlich angelegten Süßwassersee, liegt.
    Wie erwartet, war jetzt – es war gegen fünf Uhr – alles dunkel und verrammelt. Die anderen beschlossen, in der zaghaft aufkeimenden Morgendämmerung einen Spaziergang zu machen, die Fahrer hingegen versuchten, in den engen Autos eine kleine Mütze Schlaf zu bekommen. Es war natürlich alles andere als bequem.
    Gegen halb acht kehrten Frauen und Kinder mit der guten Nachricht zurück, im Hotel sei jetzt jemand und wir würden sicher einen Kaffee bekommen. Also marschierten wir zur Rezeption, wo man uns zwar sehr freundlich, aber mit der Nachricht empfing, dass unsere Appartements nicht vor 14 Uhr bezugsfertig sein würden. Nun gut, wir waren ja auch früher eingetroffen als angekündigt. Anscheinend aber sah ich wohl so müde und zerknittert aus, dass man mir anbot, mich so lange in einem der Hotelzimmer schlafen zu legen. Dieses Angebot nahm ich natürlich dankend an, während alle anderen sich lieber zum Pool begaben. Meinen Wunsch nach einem „Gute-Nacht-Bier“ beschied man offiziell leider negativ (für mich war gefühlt Abend!), da die Bar erst um halb elf aufmachen würde. Doch meine Rettung war ein verschmitzt grinsender Kellner, der eine für sich privat zurückgelegte Flasche aus einem Kühlschrank hervorzauberte und mir schenkte.

    Ich schlief wie ein Baby, bis mich Yvonne am Nachmittag weckte, weil unsere Appartements bezogen werden konnten. Nachdem das erledigt war, nahm auch ich ein kleines Bad (übrigens war und ist das bis heute der einzige Swimmingpool auf Kreta gewesen, in dem ich drin war, aber hier oben am Berg machte er schon Sinn).
    Am Abend genossen wir in der Taverne gleich nebenan zum ersten Mal gegrillte Forellen und hinterher auf der Hotelterrasse ein frisch gezapftes Bier.


    Wird fortgesetzt
    Gruß Klaus
    Bei dem Wetter muss der Hund nach dem Spazierengehen in die Waschmaschine! (Yvonne - sie meinte die Badewanne)

    Man kann auch woanders Urlaub machen - das ist möglich, aber sinnlos!
    Urlaub in Griechenland = praktizierte Solidarität


  2. #2
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    Standard AW: Kreta 1996 - Mit Kind und ohne Kegel

    Mal wieder ein Kreta Reisebericht !! Ich freu mich auf weiteres

    LG
    Vanny
    am Ende eines steilen Pfades möge Dich die wärmende Sonne grüßen

  3. #3
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    Standard AW: Kreta 1996 - Mit Kind und ohne Kegel

    Hallo, es geht weiter:

    2. Teil
    Den folgenden Tag verbrachten wir mit Nichtstun, die Kinder hauptsächlich im Swimmingpool. Josef und ich – obwohl beide blutige Anfänger – probierten mit geliehenen Schlägern den Tennisplatz aus, der allerdings diesen Namen nicht wirklich verdiente: Es lagen zu viele Steine darauf. Also gaben wir diese Bemühungen alsbald auf und verbrachten einige Stunden im Schatten auf der Hotelterrasse.
    Beim Abendessen – dieses Mal hatten die Damen selbst gekocht – beschlossen wir, am nächsten Tag durch die Rouvas-Schlucht zu laufen – ein Tag Ruhe war jetzt erst einmal genug.

    Nachdem wir sehr früh unser frugales Hotelfrühstück (das Buffet war nicht wirklich schlecht, aber auch nichts Besonderes, man wurde halt satt) zu uns genommen hatten, ging es auf die Wanderschaft.

    Wir fuhren mit den Autos hoch bis zum Ende der Straße am „Limni“ und folgten von hier aus der im allseits beliebten Kreta-Reiseführer am Berghang entlang in Richtung Kloster Ágios Nikólaos. Prompt übersahen wir dort die Markierungen, die nach links ins am Kloster vorbei auf die andere Seite des Bachbettes wiesen, und standen wenig später vor einem Kirchlein, wo der Weg endete. Also lasen wir noch einmal genau nach, gingen das Stück zurück, wurden diesmal auch fündig und wanderten den schmalen Weg etwa auf halber Höhe des Hanges weiter Zwischendurch mussten wir im Bachbett auch ein wenig suchen. Irgendwie waren wir ein wenig enttäuscht, denn so richtig nach Schlucht aus.
    In vielen Serpentinen und über hölzerne Stufen ging es mal bergauf, mal wieder bergab. Dann standen wir vor einer Felswand, wo der Weg scheinbar zu Ende war. Nicht zuletzt dank unserer findigen Kinderschar entdeckten wir dann aber, dass er unauffällig nach links weiter ging und abermals recht stark anstieg.
    Von hier aus gab es dann nicht mehr viele ernsthafte Möglichkeiten, sich zu verlaufen. Die nächste Weggabelung – rechts halten – war sogar ausgeschildert. Eigentlich begann/beginnt die richtige Schlucht erst hier, aber ein Samariá-Feeling kommt niemals auf. Der Weg war sehr gut auch weiterhin durch Holzstufen befestigt, frustrierend und anstrengend war nur, dass es immer wieder mal hoch und dann wieder runter ging. Trotzdem kamen wir im Endeffekt immer höher.

    Sehr unangenehm fiel uns zudem auf, dass alle am Wege befindlichen Wasserzapfstellen nicht funktionierten, so begannen wir allmählich, die mitgenommenen Flaschen zu rationieren. Dennoch hielt sich das Gemaule der Kinder (zwischen 15 und 13 Jahren alt) in erfreulichen Grenzen.

    Dann hatten wir endlich die vielen Treppen hinter uns, der Weg tauchte in einen Wald ein und gabelte sich wenig später wieder. Da aber beide Möglichkeiten zu unserem Ziel, die Kapelle Ágios Ioánnis, ausgeschildert waren, nahmen wir spontan die rechte Möglichkeit. Wie sich später herausstellte, war das vollkommen egal, denn wir nahmen den anderen Weg zurück und es war kein entscheidender Unterschied.
    Die Kapelle war leider abgeschlossen und der schöne schattige Rastplatz büßte aufgrund einiger umherliegender Ziegenkadaver etwas an Romantik ein. So hielten wir uns auch nicht länger als nötig auf.

    Den Rückweg machten wir uns ein wenig leichter, indem wir den befahrbaren Schotterweg nahmen, den der eigentliche Wanderweg unterwegs mal streift.
    Und wie schnell fünf Kinder laufen können, wenn man ihnen verspricht: „Am See bekommt jeder von euch mindestens zwei Limos oder Cola!“ – das bewiesen sie jetzt. Bis die anderen Erwachsenen in der Taverne eintrudelten, waren wir sechs Kinder schon beim zweiten Getränk! Mir hat selten ein Radler so gut geschmeckt, denn wir waren wirklich alle ziemlich ausgedörrt. Wir waren nicht früh genug losgelaufen und hatten die volle Dröhnung Hitze mitbekommen.
    Es gab damals am See selbst noch keine Forellen (das hat sich längst geändert)! So aßen wir also Salat, Käse und Brot und waren damit auch sehr zufrieden.

    Nachdem wir dann den Nachmittag mit Plantschen im Pool oder einer kurzen Siesta verbracht hatten, fuhren wir zum zweiten Forellenlokal "Votomos" hoch, dass etwa auf halber Strecke zum See lag/liegt. Auch hier schmeckte es köstlich.


    Bis demnächst
    Gruß Klaus
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  4. #4
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    Standard AW: Kreta 1996 - Mit Kind und ohne Kegel

    Hallo Klaus,

    die Rouvas-Schlucht habe ich noch nicht durchlaufen, aber Zaros kenne ich ganz gut.

    Wenn es genehm ist, kannst Du, lieber Klaus, die angehängten Bilder für Deine Guide nutzen!

    Henry
    Angehängte Grafiken
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    Jean-Paul Sartre

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  5. #5
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    Standard AW: Kreta 1996 - Mit Kind und ohne Kegel

    Danke Henry,
    und hier geht es schon weiter:

    3. Teil
    In den folgenden Tagen besichtigten wir – Kultur muss auch mal sein – die nahe gelegenen Klöster Vrontisíou und Valsamonero. Vor allem zum erstgenannten Kloster fuhren wir in den Folgejahren noch öfter, denn die Kinder waren vor allen Dingen von der großen hohlen Platane vor dem Klostertor sehr angetan. Der venezianische Klosterbrunnen daneben, der reichlich Wasser führt, erfrischte uns sehr angenehm.
    Weitere größere Ausflüge ersparten wir uns in der ersten Woche, jedenfalls aber gibt es nicht viel zu berichten. Die Kinder stromerten durch die Gegend und waren bester Dinge.
    Eines aber wollte ich mir nicht entgehen lassen: Einen Besuch bei dem auch damals schon über Kretas Grenzen hinaus bekannten Instrumentenbauer Antonis Stefanakis, dessen Werkstatt und Verkaufsraum sich direkt an der Hauptstraße befanden.

    Stefanakis hat lange in Deutschland gelebt und freut sich immer, wenn er mal wieder die Gelegenheit hat, Deutsch zu sprechen, also konnte mein Griechisch getrost in der Tasche bleiben.
    Wir plauderten und ließen uns diverse Instrumente zeigen. Besonders angetan hatten es mir neben den Lyres die kleinen Baglamadákia, die aussehen, als seien sie „zu heiß gewaschene Bousoúkia“. Ich will hier nicht zu sehr abschweifen und erzählen, warum das kleine Baglamadáki ursprünglich bei den Rembétes so beliebt war (wer es dennoch wissen möchte, kann ja fragen). Nur so viel: Das Baglamadáki ist das kleine Ding, das Rembétika-Liedern meist einen zirpenden aber kräftigen Rhythmus hinterlegt, ohne den das Ganze nicht so typisch klingen würde. Ich fragte, ob ich mal eines ausprobieren dürfte, und Stefanakis wählte nach einigem Herumsuchen ein Bestimmtes aus.
    „Das wird dir gefallen, es hat eine Riesenstimme!“
    Grinsend wartete er ab, ob ich das Instrument auch stimmen konnte. Ich hatte Glück, denn ich wusste, dass es genauso wie das sechssaitige Bousoúki gestimmt wird: D-A-D.
    Und es hatte einen geradezu einmaligen Klang! Dass so ein kleines Instrument so laut und klar sein kann, hatte ich nicht erwartet. Nachdem Stefanakis mir noch erklärt und gezeigt hatte, dass das ganze Instrument (Korpus und Hals) aus einem einzigen Block Zedernholz hergestellt war, muss ich wohl so sehnsüchtige Augen bekommen haben, dass Yvonne nur noch ergeben nicken konnte. Wir kauften das kleine Teil und ich klimperte in den folgenden Tagen (zuerst mehr schlecht, allmählich aber erkennbar) immer wieder darauf herum.

    Obwohl wir sonst gar nicht so sehr viel unternahmen, verging die erste Woche wie im Fluge. Dass wir dann umziehen würden, war schon geplant, und so feierten wir noch einmal ausgiebig.
    Zuerst mit den obligatorischen Forellen im „Votomos“, dann mit Musik (der erste „Einsatz“ des Baglamás und die Gitarre hatte ich ja auch dabei) und Gesang in der Freiluftbar des Hotels. Am nächsten Morgen nach dem Frühstück würden wir aufbrechen.


    Wird fortgesetzt
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  6. #6
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    Standard AW: Kreta 1996 - Mit Kind und ohne Kegel

    Die Frage nach der ursprünglichen Beliebtheit des Baglamadáki wird sofort von mir nachgereicht.
    An der ausgestreckten Hand verhungern lassen, so nennt man diese Vorgangsweise (ansprechen und dann nicht ausreden) bei uns - nein, ich bin echt neugierig. Wir haben bei Stefanakis ja auch schon das eine oder andere Mal herumgeklimpert.

    Den Limni ohne Forellen - kann ich mir gar nicht vorstellen
    LG Reinhilde

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    Frei nach Aristoteles

  7. #7
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    Standard AW: Kreta 1996 - Mit Kind und ohne Kegel

    Hallo Reinhilde,
    hier die Antwort: Nach der kleinasiatischen Katastrophe und im Zuge des folgenden Bevölkerungsaustauschs kamen viele Rembetes aus Kleinasien ins heutige Griechenland. Sie wearen nicht überall willkommen und bildeten unter sich eine urbane Subkultur. Da sie unter anderem das Haschischrauchen ziemlich unabdingbar zu ihrem Lebensstil zählten, das aber in Griechenland illegal war, hatten sie oft Ärger mit der Polizei und landeten häufig im Gefängnis (nicht von ungefähr handeln zahlreiche Lieder davon). Es war verboten, im Gefängnis Musikinstrumente zu besitzen und der kleine Baglamás ließ sich eben leicht (z.B. unter dem Mantel) verstecken. Er war auch relativ leicht selbst zu bauen (nicht solche Superinstrumente wie die von Stefanakis), u.a. wurden auch Schildkrötenpanzer als Korpus verwendet.
    Hast Du einen Kassettenrecorder oder ein Tapedeck? Ich habe vor vielen Jahren darüber mal eine Sendung gemacht...
    Gruß Klaus
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  8. #8
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    Standard AW: Kreta 1996 - Mit Kind und ohne Kegel

    Interessant! Danke!
    Ich kann übrigens auf meiner Stereoanlage auch Kassetten abspielen ...
    LG Reinhilde

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  9. #9
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    Standard AW: Kreta 1996 - Mit Kind und ohne Kegel

    Hallo Reinhilde,

    REBETIKO von Elias Petropoulos mit CD

    ist eine Empfehlung von mir (Rebetiko).

    Auch im Romiosini-Verlag gibt es Literatur über dieses Thema.

    Henry
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  10. #10
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    4. Teil
    … nach dem Frühstück würden wir aufbrechen. Doch vor den Aufbruch haben die Götter das Bezahlen gesetzt und das ist die einzige weniger schöne Erinnerung an das Hotel.
    Ich ging also zur Rezeption, um unsere Rechnungen zu begleichen und wunderte mich dann doch über den Preis, den ich zahlen sollte: Er entsprech nämlich durchaus nicht der vorherigen telefonischer Vereinbarung mit dem Chef des Hauses. Da dies eine ganz neue Erfahrung für mich auf Kreta darstellte, diskutierte ich natürlich, doch vergeblich, denn der Chef war bis nachmittags abwesend.
    Mir blieben also nur zwei Möglichkeiten: Auf seine Rückkehr zu warten (aber man erwartete uns bereits anderswo) oder zähneknirschend den höheren Preis zu bezahlen. Ich entschied mich ziemlich verärgert für das letztere, will es aber im nachhinein betrachtet nicht als bösen Willen, sondern als Kommunikationsmangel interpretieren. Es war auch so noch bezahlbar…

    Unser Domizil für die zweite Woche sollte die „Villa Petres“ etwas östlich von Georgioúpolis sein (die anderen hatten sich für eine Unterkunft in Georgioúpolis selbst entschieden, sie wollten oder konnten auch nur noch vier Tage bleiben.
    Das Haus liegt am Ende des langen Sandstrandes östlich von Georgioúpolis auf den Klippen, unweit der Brücke über den im Sommer ausgetrockneten Fluss Petrés an der „New Road“. Von der Straße trennten es eine Reihe von Almiríkia (diese typischen Nadelbäume, die in der Nähe des Meeres wachsen) und ein Fahrweg. Da unser Appartement zur Meerseite hin lag, hörten wir von der Straße aus nichts!

    Die Begrüßung durch die Vermieterin war freundlich, das Appartement sauber und schön. Zum Haus gehörte zwar kein Sandstrand, aber doch eine kleine Badebucht unterhalb in den Felsen, wo unsere beiden Söhne mit Begeisterung schnorchelten (Roman erlegte mit Hilfe einer aus einer gerade gebogenen Gabel selbst gebastelten „Harpune“ sogar einen Fisch von ca. zehn Zentimetern Länge). Romans Vorliebe für das Angeln und Harpunieren verstärkte sich in den Folgejahren noch, darüber woanders mehr.

    Da in der Nähe kein einziges Restaurant lag und wir nicht so gerne oft die etwa zehn Kilometer nach Georgioúpolis fahren wollten, verköstigten wir uns vorwiegend selbst.
    An einem Abend sollte es mal wieder „nur“ ein Imbiss mit verschiedenen Käsesorten, Brot, Eiern, Oliven etc. sein. Es stand schon alles auf dem Tisch, als wir merkten, dass eine wichtige Zutat fehlte: Tomaten! Wir hatten vergessen, welche zu kaufen.

    Doch schnell fiel uns eine Lösung ein: Oben an der Straße saß jeden Tag ein alter Kreter, der Obst und Gemüse verkaufte. Wenn der Abend kam, deckte er seine „Auslagen“ einfach mit ein paar Säcken ab und ließ sie liegen, denn geklaut wurde einfach nicht.
    Ausnahmen bestätigen die Regel, denn ich besorgte uns auf diese Weise drei Tomaten und einem wunderbaren und kompletten Abendessen stand nichts mehr im Wege.
    Am nächsten Morgen ging ich natürlich wieder zu dem Mann und erzählte ihm, ich hätte am Vorabend drei Tomaten für meine Kinder „geklaut“… Sein einziger Kommentar: „Kalá tó kanes“ (Das hast du gut gemacht!). Ich wandte ein, ich wolle nun bezahlen, was er aber strikt ablehnte und mir stattdessen drei Pfirsiche („für die Kinder“) schenkte. Nun waren wir praktisch verpflichtet, jeden Tag irgend etwas bei ihm zu kaufen, was wir auch gerne taten (Obst kann man schließlich nie genug haben).


    Wird fortgesetzt
    Gruß Klaus
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