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Thema: Onkel Niko und die Sache mit dem stillen Örtchen

  1. #1
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    Standard Onkel Niko und die Sache mit dem stillen Örtchen

    Ein strahlender Sonntag-Morgen (Juli 2004), ich steige unternehmungslustig im Hafen von Iraklio aus dem Autobus. Geplant ist ein Ausflug nach Ano Asites. Wie üblich werde ich dort am Busbahnhof in Empfang genommen. Zu meiner Freude ist Manolis, ein Freund aus Asites, von Onkel Niko begleitet, der sich, wie man so schön sagt, "alle heiligen Zeiten einmal" in die große Stadt begibt. Onkel Niko ist wie immer in voller kretischer Tracht, mit Sariki, Pluderhose, Stiefel. Ich lasse kurz meinen Blick über sein wettergegerbtes, offenes Gesicht streifen. Seine klaren, so viel erlebt habenden Augen begrüßen mich mit einem spitzbübisch verschmitzten Lächeln. Und er ermuntert mich, unserem üblichen Ritual folgend, über seinen weißen, weichen Vollbart zu streicheln. Den einen an meiner linken, den anderen an meiner rechten Seite untergehakt, überqueren wir die vielbefahrene Hafenstraße. Dort im Cafe in der Marina genießen wir unsere Frappes und beobachten eine entzückende Entenprozession. Gleichzeitig besprechen wir ausgiebig "ta nea mas" (Neuigkeiten), schließlich und endlich sind seit dem letzten Beisammensein mehr als zwei Monate ins Land gezogen. Onkel Niko wird indessen von einigen Touristen aufmerksam "begutachtet" – es macht ihm Spaß und er lässt sich oft und gerne fotografieren.

    Als wir dann Richtung Asites aufbrechen wollen, marschiert Onkel Niko zielstrebig auf einen Baum neben der Hafenstrasse zu – er hat ein menschliches Bedürfnis zu erledigen. Manoli muss einiges an Überredungskunst an den Tag legen, um den Onkel davon zu überzeugen, dieses eine Mal – wenn auch widerstrebend – doch die Sanitäranlagen des Cafes zu benutzen. Manoli versucht dann, mir das Verhalten des Onkels zu erklären. Er merkt aber sehr schnell, dass ich mit dieser Situation absolut kein Problem habe. Ich betrachte sie eigentlich wie einen Puzzlestein, der sich nahtlos in mein gemütvoll-romantisches Kretabild einfügt.

    Auf dem Weg nach Asites beschließt Manoli, noch einen kleinen Umweg zu machen und Verwandte und Bekannte in Krousonas zu besuchen. Nach zwei Stunden werden wir von Manolis Frau telefonisch an den fast schon fertig gedeckten Tisch in "Asites" heim beordert. Ich unterdrücke auf der Fahrt dorthin immer wieder den Wunsch nach einem kurzen Halt für eine Fotopause, weil ich weiß, dass dies nicht mein letzter Besuch in dieser Gegend sein wird. Der unvermittelte Ausblick auf einen riesigen Felsendurchbruch mit Rhododendronbewuchs, der sich wie eine rote Schlange durch den Talkessel windet, veranlasst mich zu einem überraschten Aufschrei und der Bitte, jetzt doch stehen zu bleiben. Ich springe aus dem Auto und genieße kurz den zauberhaften Anblick. Dann mache ich mich daran, die Kamera in Betrieb zu setzen. Als ich wieder ins Auto einsteige, kommt eine riesige Welle von Heiterkeit auf mich zu – Manoli kann die Lachtränen in seinen Augenwinkeln nicht verleugnen –, deren Ursprung in Onkel Nikos sich beschwerendem Ausruf lag:

    "Und die Hilda, warum darf SIE mitten in der Kurve ... ?!?"
    LG Reinhilde

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  2. #2
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    Standard AW: Onkel Niko und die Sache mit dem stillen Örtchen

    Hallo Reinhild,

    eine schöne Geschichte,hast du noch mehr davon ?

    So bleibt doch immer etwas in unsern Gedanken, auch wenn ein Leben zu Ende ist.

    Gruß Angela

  3. #3
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    Standard AW: Onkel Niko und die Sache mit dem stillen Örtchen

    Schön erzählt, man merkt, was er Dir bedeutet.

    mfg Wolfgang
    Urlaub bei Freunden, Urlaub auf Kreta
    http://www.nana-apartments.gr/

    Manche meinen, sie sind beschlagen.
    Dabei sind sie nur bekloppt.

    ... equo ne credite, Teucri. Quidquid id est, timeo Danaos et dona ferentes.

  4. #4
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    Standard AW: Onkel Niko und die Sache mit dem stillen Örtchen

    Das hatte ich 2004 schon geschrieben - und jetzt aus dem alten Forums-Archiv geholt, damit es nicht verloren geht! Ja, ich habe ihn wirklich tief in meinem Herzen, ein Stück meines persönlichen Kretas!
    Angehängte Grafiken
    LG Reinhilde

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  5. #5
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    Standard AW: Onkel Niko und die Sache mit dem stillen Örtchen

    Danke Reinhilde
    Eine herrliche Geschichte, wunderschön erzählt. Ich spüre deine Verbundenheit.
    Liebe Grüsse
    Beatrice


    GRIECHENLAND IST NICHT ALLES, ABER OHNE GRIECHENLAND IST ALLES NICHTS

  6. #6
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    Standard AW: Onkel Niko und die Sache mit dem stillen Örtchen

    Ja, die Geschichte fand ich schon damals sehr schön und sie ist ja auch nicht verloren gegangen: HIER
    Gruß Klaus
    Bei dem Wetter muss der Hund nach dem Spazierengehen in die Waschmaschine! (Yvonne - sie meinte die Badewanne)

    Man kann auch woanders Urlaub machen - das ist möglich, aber sinnlos!
    Urlaub in Griechenland = praktizierte Solidarität


  7. #7
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    Standard AW: Onkel Niko und die Sache mit dem stillen Örtchen

    Schön erzählt, man merkt, was er Dir bedeutet.
    Da kann ich Wolfgang nur zustimmen.
    Roland
    Ein Genießer

    Greek food is like having a party in my mouth

  8. #8
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    Standard AW: Onkel Niko und die Sache mit dem stillen Örtchen

    Ich muss sagen, ich bin begeistert! So rührend und voller Anteilnahme geschrieben!
    Und wie einfühlsam, verständnisvoll, ja tolerant! Man kennt das doch: Jemand erleichtert
    sich, an Bauwagen, auf Spielplätzen, ja, auch mal in einer versteckten Nische einer
    Fußgängerzone! Und was erleben wir häufig? Wütendes Geschimpfe von Passanten, unverständige,
    zornige Blicke! Und Reinhilde zeigt denen aber, sowas mit Humor zu nehmen! Ganz auch so
    wie der rüstige, graubärtige Kreter, der sich -skurril wie die nun mal sind- sein Recht auf den
    Pissort seiner Wahl nimmt. Reinhilde bewundert diesen Freiheitsdrang, der sich Bahn schifft, mit ganz ganz lieben
    Worten. Wenn ich ein Sandler oder sonst mal irgendwo hin pissender Passant in Wien wäre, ich würde
    mich über eine Begegnung mit Reinhilde nicht nur freuen, mir würds glatt die Sprache verschlagen.
    Endlich mal ungehemmt seinen Bedürfnissen folgen können im Schutze wohltuenden Verständnisses!

    Nochmals Bravo für diese feine Geschichte !!

    Luppisski

  9. #9
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    Standard AW: Onkel Niko und die Sache mit dem stillen Örtchen

    Letztklassige Aktion! Die letzte für Luppinski auf jeden Fall!
    Auch dafür wird mein Verständnis immer größer!
    LG Reinhilde

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  10. #10
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    Standard AW: Onkel Niko und die Sache mit dem stillen Örtchen

    Das hat nun echt nicht gepasst. Muss man denn jemanden, der in Trauer ist, auch noch beleidigen? Es ist manchmal wirklich erschreckend, was sich für Leute im I-Net aufhalten.

    Liebe Reinhilde, fühle Dich mal gedrückt...
    Viele Grüsse von Stifti
    Jeder Mensch braucht seinen Hafen

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